Beteiligung ist die Quelle des Erfolgs


Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe schließt ihr Engagement in drei Projektgebieten Ende 2013 ab: Sind die Einwohner dort der Armut entkommen? Gleichzeitig beginnen die Entwicklungsexperten der Stiftung ihre Arbeit in drei neuen bitterarmen Distrikten. Ein Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Almaz Böhm über erreichte Ziele und neue Anfänge.



Frau Böhm, immer wieder hat das NAGAYA MAGAZIN über die Arbeit in Illubabor, Midda und Babile berichtet. Ende 2013 verlassen Sie diese Gebiete – warum?

Unser Ziel ist es, den Menschen den Weg aus der Armut zu ebnen und die Chance für eine eigene Weiterentwicklung zu eröffnen. Das haben wir dort erreicht.

Wie finden das die Einheimischen?
Natürlich möchten sie, dass wir bleiben. Aber wir erklären, dass auch andere Teile des Landes die gleichen Chancen bekommen sollen wie sie. Das verstehen sie.

Wie lange waren Sie vor Ort?

Im Distrikt Babile werden wir uns nach insgesamt elf Jahren zurückziehen und im Distrikt Midda nach dreizehn. In Illubabor waren wir länger, insgesamt 28 Jahre, weil das Gebiet sehr gross ist und sich aus vielen einzelnen Distrikten zusammensetzt.

Dennoch stellt sich die Frage: Warum braucht Ihre Hilfe so viele Jahre?

Vor allem, weil die Massnahmen sehr umfangreich sind und wir die Aktivitäten in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung durchführen. Wir wollen sie ja befähigen, in Zukunft ohne uns auszukommen. Solche Lernprozesse brauchen Zeit.

Woran können Sie denn sehen, dass die Menschen es jetzt aus eigener Kraft schaffen?
Am eindrucksvollsten sind für mich die Begegnungen mit einzelnen Menschen: Ein Mann Mitte dreißig, der gemeinsam mit seinem Sohn begeistert den Unterricht in der von uns gebauten Schule besucht, um noch einen Abschluss zu machen; eine alte Frau, die glücklich ist, dass es nun in Dorfnähe einen Brunnen mit sauberem Trinkwasser gibt; der Bauer, der wieder auf dem Feld arbeiten kann, weil wir ihm mit einer kleinen Operation das Augenlicht gerettet haben.

Aber die Leute sind doch im Grunde immer noch arm?
Armut ist ein relativer Begriff. Natürlich darf man Äthiopien nicht mit Europa vergleichen. Entscheidend ist, dass sich die Menschen nun unabhängig von fremder Hilfe versorgen können und dass sie Möglichkeiten haben, ihre Situation weiter zu verbessern.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Ich denke an eine Bäuerin, die ich in jährlichem Abstand besucht habe; beim ersten Mal fand sich in ihrer Hütte nur eine offene Feuerstelle. Beim zweiten Besuch hatte sie unter Anleitung unserer Sozialarbeiter schon einen Holz sparenden Ofen sowie Bänke und Regale aus Lehm. Bei unserer dritten Begegnung zeigte siemir Bett, Tisch und Holzsessel, die sie vom Überschuss der Felder gekauft hatte – sie hatte von einer unserer Bewässerungsmassnahmen profitiert. „Jetzt sieht es bei mir aus wie bei den Leuten in der Stadt“, sagte sie. Diese Frau fühlte sich nicht mehr arm.

Diese Bäuerin und ganze Gebiete sinken nicht zurück ins Elend, sobald die Helfer weg sind?
Wir beobachten ja bereits während unserer Anwesenheit, wie die Einheimischen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten aktiv nutzen und untereinander weitergeben. Die Verantwortung für die Infrastrukturmassnahmen wie Schulen, Gesundheitseinrichtungen oder die Wasserversorgung geben wir schon während der Projektdauer an die lokalen Behörden ab. Und falls sich wider Erwarten herausstellt, dass sie ein Problem doch nicht allein lösen können, wissen sie, dass sie sich an unsere Zentrale in Addis Abeba wenden können.

Das Berufsbildungscollege ATTC liegt in der Stadt Harar in der Nähe von Babile, das Kinderheim Abdii Borii befindet sich in Illubabor: Was wird aus diesen Einrichtungen?
Wir werden beide Häuser als Einzelprojekte weiterführen. Gerade das ATTC ist für den Aufschwung des Landes wichtig. Die wirtschaftliche Entwicklung profitiert von den Technikern, die dort ausgebildet werden.

Die drei neuen Projektgebiete heissen Wogdi, Dano und Dale Wabera. Womit haben die Menschen dort zu kämpfen?
Überall ist das Essen knapp. Die Felder werfen einfach zu wenig ab, um den insgesamt 380’000 Menschen in den drei Gebieten eine ausreichende Ernährung zu sichern. Und überall fehlt es an sauberem Trinkwasser, an Schulen und Gesundheitseinrichtungen. Zunächst müssen wir mit unserem Bulldozer auch Zufahrtswege planieren.

Es gibt dort keine Straßen?
Ja, in Dano zum Beispiel sind über die Hälfte der Gemeinden während der Regenperioden von der Aussenwelt abgeschnitten, weil keine wetterfesten Strassen zu ihnen führen. Das kann schlimmste Folgen haben, etwa wenn jemand akut erkrankt.

Die Äthiopienhilfe geht also in die abgelegensten und allerärmsten Regionen?

Natürlich spielt der Bedarf eine entscheidende Rolle. Aber es gibt noch zwei weitere Kriterien, die in den vorangehenden Studien untersucht werden: Boden, Klima und Landschaft müssen Potenzial für den Ausbau der Landwirtschaft haben. Und es kommt auf die Eigeninitiative der Bevölkerung an. Bevor wir uns für ein Projektgebiet entscheiden, müssen wir überzeugt sein, dass die Menschen vor Ort mitmachen. Ohne ihr Engagement können wir nichts erreichen.

Ganz ehrlich: Ist der Kampf gegen die Armut nicht eine Sisyphusarbeit?
Die Frage nach der Motivation hat sich mir – genau wie meinem Mann – nie gestellt, weil es zwei Quellen gibt, aus denen ich Kraft schöpfe. Die eine sind die Erfolgserlebnisse und die Dankbarkeit der Menschen in Äthiopien. Und die andere Quelle ist das grosse Vertrauen, das uns die Spenderinnen und Spender entgegenbringen und für das ich als Äthiopierin besonders dankbar bin.

Was wurde erreicht?

Eine Auswahl wichtiger Infrastruktur-Massnahmen:


Babile:

108'068 Einwohner
Projektgebiet seit 2002
Schulen 35
Gesundheitseinrichtungen 10
Brunnen und Quellfassungen 142


Illubabor

1’363’150 Einwohner
Projektgebiet seit 1985
Schulen 99
Gesundheitseinrichtungen 29
Brunnen und Quellfassungen 568

Midda

101’233 Einwohner
Projektgebiet seit 2000
Schulen 29
Gesundheitseinrichtungen 9
Brunnen und Quellfassungen 178

 

 

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Interview mit Almaz Böhm