Ein Anschluss zur Welt


Die Menschen in Selle Nono können nicht schwimmen. Wo sollten sie es lernen? Es gibt keine stillen, seichten Gewässer in ihrer Heimat in Illubabor. Nur diesen reissenden Strom namens Ganschi. Ein Fluss, der jeden Tag Angst macht. Todesangst. Frauen, die zum Markt müssen, Kinder auf dem Weg zur Schule, Väter, die ihr krankes Baby zum Doktor bringen wollen – alle müssen mit klopfendem Herzen über den unglückseligen Fluss: Für 30'000 Menschen gibt es keine steinerne oder stählerne Brücke. Die einzige Verbindung zur Aussenwelt im Distrikt Selle Nono ist eine wackelige Hängebrücke aus Lianengeflecht und Weidenzweigen.

Die Menschen hangeln sich darauf über die Fluten, bei jedem Schritt wankt der Boden unter ihnen und mit ihm ihr Mut. Immer wieder fordert der Fluss Tribut. Waren, die den Menschen entgleiten. Vieh. Und sogar Menschen, die in den Fluss fallen. "In diesem Jahr sind bereits zwei Schüler ertrunken,  die nach Birbisa zum Unterricht unterwegs waren", berichtet Tarekegn Lemma, der Chef der staatlichen Distriktverwaltung. "Ein Mädchen und ein Junge, beide aus der achten Klasse."

In der Gegend leben Angehörige der Oromo-Volksgruppe. Die schwankende Hängebrücke wurde von Angehörigen der Meschengir-Volksgruppe zusammengeflochten. "Die Meschengir leben direkt am Fluss und haben keine Angst vor ihm.", erklärt Tarekegn Lemma. "Wir haben sie gebeten, die
Hängebrücke zu bauen." Als Karlheinz und Almaz Böhm den Distrikt im Februar besuchten, entschieden sie spontan, dass Menschen für Menschen eine richtige Brücke und eine Zufahrtstrasse bauen wird. Die neue Verbindung über den Ganschi-Fluss wird eine sogenannte Bailey-Brücke sein, benannt nach dem Erfinder dieser praktischen und sicheren Behelfsbrücken: Das Gerüst der Brücke ist aus Stahl, sie kann aus Einzelteilen zusammengesetzt werden, die nicht schwerer sind als 300 Kilogramm – ein entscheidendes Kriterium in dieser entfernten Gegend, in der der Transport des Baumaterials über Stock und Stein erfolgen muss.

Die Brücke und die Zufahrtstrasse werden weitere Hilfe zur Selbstentwicklung erst ermöglichen. Zum Beispiel fehlt dringend eine Gesundheitsstation. Bisher sind die Frauen bei Geburten ohne jegliche medizinische Hilfe. "Ich glaube nicht, dass es auf der ganzen Welt noch eine Gemeinde gibt, deren Mitglieder sich wie wilde Tiere über eine Hängebrücke bewegen müssen", sagt Tarekegn Lemma. "Deshalb ist der Brückenbau von Menschen für Menschen für uns von historischer Bedeutung."


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