Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit
Obwohl offiziell verboten, sind die Rituale der Beschneidung und Zwangsverheiratung tief verwurzelt in der äthiopischen Gesellschaft - vor allem in ländlichen Regionen. Die Mädchen und Frauen leiden ein Leben lang an den psychischen und physischen Folgen.
Die 14-jährige Musteriah Muhadin aus dem ostäthiopischen Erer-Tal ist ein starkes Mädchen. Als sie der Tradition entsprechend beschnitten werden sollte, setzte sie sich vehement zur Wehr und drohte ihren Eltern: "Wenn ihr mir das antut, dann gehe ich und sag' es dem Karl!" Schon Generationen vor ihr hätten sich die Mädchen in ihrem Alter sicherlich nichts sehnlicher gewünscht, als gegen die grausame Verstümmelung ihrer Genitalien und die lebenslangen, qualvollen Konsequenzen protestieren zu können. Doch für einen derart mutigen Schritt fehlte ihnen der familiäre und gesellschaftliche Rückhalt. Heute fordert Menschen für Menschen in grossangelegten Aufklärungskampagnen dazu auf, schädliche Traditionen zu hinterfragen, und macht allen Betroffenen Mut, sich gegen sie zu wehren.
"Safia" will Aufklärung
Karlheinz Böhm stellt sich vehement gegen diese qualvollen Traditionen. Im Jahr 1991 musste er zusehen, wie das Mädchen Safia auf qualvolle Weise an den Folgen der Beschneidung starb. Obwohl ihre Eltern ihm versprochen hatten, das Mädchen, das an Epilepsie litt, nicht dem grausamen Ritual zu unterziehen, fand er sie einige Tage später sterbend in der Krankenstation vor. Im Innersten erschüttert, rief Karlheinz Böhm unter dem Namen "Safia" eine beispiellose Aufklärungskampagne ins Leben. Durch seine langjährige Arbeit hat er ein Vertrauensverhältnis zur Bevölkerung aufgebaut und die Basis für einen Dialog gelegt. Heute nehmen Dorfoberhäupter sowie christliche und muslimische Würdenträger in den Projektgebieten von Menschen für Menschen öffentlich Abstand von Beschneidung und Frühverheiratung.
