Respekt für die Kinder Äthiopiens


Überall auf der Welt träumen kleine Jungen davon, große Männer zu werden. Das ist in den Hütten Afrikas nicht anders als in den Kinderzimmern Europas. Doch welche Chancen hat ein Junge wie der 12-jährige Salomon, der in einen äthiopischen Landstrich hineingeboren wurde, wo es nur arme Bauern und zerlumpte Tagelöhner gibt? Lokomotivführer? In Äthiopien gibt es eine einzige Eisenbahnlinie, und die ist meist außer Betrieb. Feuerwehrmann? Es gibt keine Feuerwehr in seinem Dorf. Pilot? Flugzeuge kennt Salomon nur als winzige Punkte am Himmel. Und überhaupt: In der Schulhütte, die es bisher in seinem Dorf gab, war es dunkel und staubig, die Schüler saßen auf dem nackten Boden.

Wie ordentlich lernen, um etwas zu erreichen? Immer hörte Salomon gebannt zu, wenn sich die Erwachsenen nach Einbruch der Dunkelheit Geschichten über "Shiftas" erzählten – Wegelagerer auf den Landstraßen, die einsame Wanderer überfallen und sie zwingen, die paar Geldscheine herauszugeben, die sie in ihren Gewändern tragen oder – schlimmer noch – den Hirten ganze Herden abnehmen. Die Kinder der Shiftas, dachte Salomon, haben immer gut zu essen. Und vor allem begegnen die Erwachsenen ihnen mit Furcht, die der Junge mit Respekt verwechselte.

Das vor allem wollte er sein: respektiert. Doch der einzige Weg zu Respekt und einem menschenwürdigen Leben führt über Lernen und Bildung: Das ist die Botschaft der jungen Theatergruppe, die für Salomon und die anderen Zuschauer spielt – anlässlich der Eröffnung der neuen Schule in Mekdelawit. Das volkstümliche Stück behandelt das Schicksal des Mädchens Shimbrae. Shimbrae geht nicht zur Schule, wird bereits als Kind verheiratet – und stirbt bei der Geburt des ersten Kindes, weil ihr junger Körper noch nicht bereit für eine Schwangerschaft ist.

Um der Tradition zu entsprechen, gaben die Eltern, arme, ungebildete Bauern, ihre Tochter zu früh weg. Sie wussten es nicht besser. Jetzt trauern sie herzzerreißend. Etwa tausend Menschen folgen dem Drama gebannt – alle sind sie gekommen, um die Schule einzuweihen, die Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe errichtet hat: zwei Blöcke mit je vier Klassenzimmern, Lehrerwohnungen und Sanitärgebäuden. Betonfundament, gemauerte Wände, Lamellenfenster, Wellblechdächer: Es sind äußerst zweckmäßige Gebäude und die langlebigsten weit und breit. Almaz Böhm ist zur Einweihung gekommen. Sie ruft den Eltern im Publikum zu: "Eine Schule zu bauen, reicht nicht aus. Ihr müsst uns helfen! Das Mädchen im Theaterstück starb, weil es keine Gelegenheit bekam, sich zu entwickeln! Versprecht, eure Kinder zur Schule zu schicken!"

Die Schuleröffnung in Mekdelawit ist der erste Schritt in der großen Bildungs-Anstrengung "ABC– 2015", die im vergangenen Jahr startete und in den nächsten sechs Jahren Hunderttausenden Kindern eine Schulbildung ermöglichen soll. Eine gewaltige Aufgabe, denn jeder Schulbau kostet, je nach Schülerzahl, 200.000 bis 300.000 Euro. Wie wichtig dieses Programm ist, machen Zahlen deutlich: Nur ein Drittel der Äthiopier kann lesen und schreiben; 40 von 100 Kindern können keine Schule besuchen. "Der einzige Weg aus der Armut führt über Schule und Bildung", unterstreicht die Programm-Verantwortliche Almaz Böhm die Dringlichkeit von "ABC– 2015".

Doch das Programm geht weit über Schulbauten hinaus. "Häufig müssen wir zunächst Zufahrtswege planieren, um das Baumaterial vor Ort zu bringen", erklärt Almaz Böhm. Lehrmittel und Bücher werden bereitgestellt. Neben Gymnasien werden Wohnheime für Mädchen gebaut, damit sie nicht jeden Tag lange Schulwege zurücklegen müssen, auf denen sie in Gefahr sind, überfallen zu werden. Talentierte Schüler aus besonders armen Familien erhalten über Zuwendungen aus einem Sozialfonds der Stiftung Unterstützung. Die Eltern können Lese- und Schreibkurse besuchen. "Wir verfolgen einen sehr breiten Ansatz", betont Almaz Böhm.

Den Berufswunsch "Wegelagerer" habe er übrigens aufgegeben, erzählt Salomon Almaz Böhm bei der Einweihung mit einem Lausbubenlachen. "Ich werde jetzt Arzt", sagt der Zwölfjährige. "Wenn ich in der neuen Schule fleißig lerne und studiere, kann ich es schaffen." Eine weise Entscheidung, Salomon!


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Erste ABC-2015 Schule