Berge von Anfragen


Wie geht die Suche nach neuen Projektgebieten vonstatten?
Dr. Martin Grunder: Über die Distriktbüros gehen Anfragen bedürftiger Regionen bei Menschen für Menschen ein. Diese betreffen entweder ganz bestimmte Projektbereiche – etwa die Wasserversorgung einer kleinen Stadt – oder sind Anfragen für ganzheitliche Hilfe, also für ein integriertes ländliches Entwicklungsprojekt. Viele Menschen haben gesehen, wie so ein Projekt in der Nachbarschaft funktioniert und bewerben sich ebenfalls bei uns. Wir sammeln diese Anträge über das ganze Jahr hinweg und wählen dann einige für Vorstudien aus, sobald es konkret wird.

Wie viele Anfragen kommen vor einer Entscheidung zusammen?
Das waren ganze Berge. Parallel haben wir aber auch die Regierung Äthiopiens gebeten, uns von sich aus eine Liste der bedürftigen Distrikte in den Bundesstaaten Amhara und Oromia zu überlassen. Im Fall Oromia bekamen wir eine Liste von 27 Vorschlägen. In der Amhara-Region hatten wir uns schon vorab für das Gebiet Borena entschieden.

Was war der Grund für Ihre Entscheidung für Borena?
Borena liegt in der nahen Nachbarschaft zu Midda, ein Distrikt, in dem wir bisher schon tätig waren und den wir 2013 in die Eigenverantwortung der Bevölkerung übergeben werden. Daher hatten wir von dort aus schon eine Vorstudie durchgeführt. Das Gebiet von Borena erfüllt alle unsere Anforderungen.

Was sind diese Anforderungen an ein neues Projektgebiet?
Entscheidend ist natürlich die Bedürftigkeit der Bevölkerung in der Region. Ausserdem sollte keine andere Nichtregierungsorganisation in diesem Gebiet tätig sein. Es muss Potenzial vorhanden sein, dort etwas zu bewegen und in absehbarer Zeit Erfolge zu erzielen. Und schliesslich muss der Wille der Bevölkerung gegeben sein, mitzuarbeiten. Menschen für Menschen leistet Hilfe zur Selbstentwicklung und will niemandem etwas aufzwingen. Etwa im landwirtschaftlichen Bereich stellen wir das verbesserte Saatgut und sind beratend tätig. Die Ausführenden sind aber die Bauern vor Ort.

Im Falle von Oromia – wie geht es weiter, nachdem Ihnen eine Liste bedürftiger Regionen vorliegt?
Die meisten dieser Gebiete besuchen wir eingehend, schauen uns die Gegebenheiten an, die Schulsituation, sprechen mit der Bevölkerung, mit den Bauern. Oft kristallisiert sich recht schnell heraus, ob ein Gebiet in Frage kommt.

Was sind die Ausschlusskriterien?

Etwa wenn wir den Eindruck haben, den Menschen geht es recht gut, das Gebiet hat eine sehr gute Kaffee- oder Gemüseproduktion, die Niederschläge sind ausreichend und die Tiere machen einen gesunden Eindruck. Dann kommen wir zum Schluss, dass es noch viele, wesentlich bedürftigere Gebiete gibt.

Was passiert, wenn sich Menschen für Menschen schliesslich für ein Gebiet entscheidet?
In Borena und Ginde Beret haben wir nach der Vorauswahl eine sehr detaillierte Studie durch-geführt. Es wurden je über 100 Haushalte in allen Gemeinden befragt und Daten erhoben. Darauf aufbauend arbeiten wir dann einen Projektvorschlag für ein Drei-Jahres-Programm aus.

Was wird in einer solche Erhebung abgefragt?
Wir prüfen, wie viele Wasserstellen es gibt, wie viele Schulen, wie die Bauern Landwirtschaft betreiben, ob es Bewässerungsmöglich-keiten gibt, wie die Stellung der Frauen in der Gesellschaft ist, wie die Gesundheitssituation aussieht. Es ist anschliessend wichtig, die Massnahmen in den Gemeinden entsprechend zu verteilen.   

Wie ist ein solches Projekt schließlich organisiert?
Das gesamte Programm wird mit den Regional-Büros abgesprochen, also mit den Fachbüros für Wasser,  Landwirtschaft, Frauen und Gesundheit. In den Gemeinden selbst stellen sowohl die Regierung als auch wir Sozialarbeiter und landwirtschaftliche Berater, die gemeinsam mit der Bevölkerung den notwendigen Bedarf, Prioritäten und konkrete Massnahmen diskutieren. Wir stellen die aus unserer Sicht erforderlichen Massnahmen vor – etwa Bodenkonservierung, Kompostierung, Einsatz und Verteilung von verbessertem Saatgut, sowie Massnahmen zur Verbesserung der Viehzucht – die Bauern melden dann ihr Interesse für die jeweiligen Massnahmen an.

Was ist das charakteristisch am Gebiet Borena?
Borena liegt sehr abgeschieden. Auch das Relief ist besonders: Tiefe Täler und Berge bis 4'000 Meter ü.M. machen das Gebiet schwer zugänglich. Das Klima ist rau. Borena gehört zum Kerngebiet des äthiopischen Hochlandes. Die Böden sind stark ausgelaugt, übernutzt und haben geringe Hektarerträge. In den letzten Jahren gab es unregelmässige Regenfälle und daraus resultiert ein Nahrungsmitteldefizit. Aber unserer Ansicht nach hat Borena Potenzial: denn durch Bewässerung, Bodenkonservierung, Bodenfruchtbarkeitsförderung können die Bauern auch hier höhere Erträge erzielen. In der Viehzucht gibt es die Möglichkeit, produktivere Tiere zu züchten, etwa durch den Anbau von Futterpflanzen und rotierende Weideflächen.

Über welchen Zeitraum ist ein neues Projektgebiet angelegt?
Mindestdauer unserer Projekte sind zehn Jahre, in den meisten Fällen eher 12 bis 15 Jahre. Von Borena aus können wir vier Distrikte bearbeiten, daher lohnt es sich, länger dort zu sein und die Dinge nachhaltig anzugehen. Schliesslich muss das System eingearbeitet sein und die Infrastruktur stehen.


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