Natur schützen, Entwicklung sichern


Prof. Dr. Dr. Hans Hurni, Stiftungsratsdelegierter von Menschen für Menschen Schweiz, über Herausforderungen und Erfolge der Stiftung bei ihrem Engagement für eine nachhaltige Landwirtschaft.

 

Professor Hurni, Sie waren viele Jahre in Äthiopien tätig, unter anderem als Initiator und Leiter eines landesweiten Forschungsnetzwerks zur Bekämpfung der Bodenerosion. Bis heute sind sie regelmässig zu Forschungszwecken in dem Land unterwegs. Welche Entwicklung beobachten Sie?

Jedes Mal wenn ich nach Addis Abeba komme, erkenne ich die Stadt kaum wieder. Seit rund 20 Jahren verändert sich das Stadtbild ständig. Die Stadt explodiert förmlich. Ihre Grösse hat sich vervielfacht. Alte Stadtteile werden abgebrochen und immer mehr Strassen und Gebäude werden gebaut. Die Bevölkerung ist in die Bautätigkeit eingebunden. Es gibt viele Möglichkeiten zu arbeiten und die Stimmung ist generell gut. Andererseits sehe ich, wie sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet. Immer mehr Menschen wandern in die Stadt ein und suchen dort Arbeit, während reiche Äthiopier in luxuriösen Hummer-SUV hinter getönten Fensterscheiben herumfahren und sich abschotten.
Als ich 1974 zum ersten Mal nach Äthiopien kam, um dort an einer Diplomarbeit über Bodenerosion zu Arbeiten, war gerade eine Hungersnot zu Ende. Kaiser Haile Selassie wurde abgesetzt. Die Bevölkerung zählte rund 30 Millionen Menschen. Heute, knapp 40 Jahre später, sind es 90 Millionen. Das ist eine Wachstumsrate von rund 2.8 Prozent pro Jahr, oder eine Verdoppelung nach 25 Jahren. Dieses gewaltige Wachstum bedeutet eine riesige Belastung für den Staat und die Familien: Die Hälfte der Bevölkerung sind heute Kinder. Das ist mit ein Grund, warum Menschen für Menschen so viele Schulen baut. Es geht darum, über 50 Millionen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen.

Was ist die grösste landwirtschaftliche Herausforderung für die Landbevölkerung Äthiopiens? Und welche Rolle spielt der integrierte Ansatz der Stiftung Menschen für Menschen bei ihrer Lösung?

Immer noch leben rund 85 Prozent der äthiopischen Bevölkerung auf dem Land. Zwar hat sich auch dort einiges geändert, nicht nur in den Städten. Es gibt bereits Schulen, Wasserstellen, Kliniken, Strassen. Aber es steht zu wenig Land zur Verfügung. Es gibt weder genug gutes Kulturland für den Ackerbau, noch ausreichend Wald für die Versorgung mit Bau- und Brennholz. Auch fehlt es an Weideland für die Zugtiere, die im Pflugbau Äthiopiens dringend gebraucht werden. Insofern liegt meines Erachtens die grösste Herausforderung für die ländliche Entwicklung darin, der Landverknappung entgegenzuwirken, die mit der hohen Bevölkerungszahl und der Bodenzerstörung durch die Erosion auf den steilen Hängen verbunden ist. Zusätzlich muss ein Teil der Bevölkerung die Möglichkeit erhalten, von der Landwirtschaft in handwerkliche und kaufmännische Berufe zu wechseln. Dies alles ist Teil des integrierten Ansatzes, den Menschen für Menschen - wie auch die meisten anderen Hilfswerke in Äthiopien - seit Jahren erfolgreich anwendet.

In Industrieländern wird viel über die Nutzung erneuerbarer Energien diskutiert. Wie können Entwicklungsländer wie Äthiopien natürliche Ressourcen nutzen, um Energie zu gewinnen?

Die Äthiopier leben fast ausschliesslich von natürlichen Ressourcen und der Verbrauch fossiler Brennstoffe ist äusserst niedrig. Kaum 0.2 Tonnen Kohlenstoff werden in diesem Land pro Kopf und Jahr ausgestossen; das ist rund 30 Mal weniger als ein durchschnittlicher Schweizer und rund 100 Mal weniger als ein Nordamerikaner verbraucht. Allerdings nutzt man diese erneuerbaren Ressourcen in Äthiopien leider genauso wenig effizient, wie wir hier bei uns die nicht erneuerbaren Rohstoffe und Energien.

Wie geht die Stiftung
Menschen für Menschen vor, um Naturressourcen verantwortungsvoll und nachhaltig zu nutzen?
Menschen für Menschen versucht im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklungsprojekte, die Böden mit Terassen und Baumpflanzungen zu stabilisieren und durch bessere Sorten und Dünger produktiver zu machen. Für die junge Bevölkerung werden Schulen gebaut, Kampagnen gegen HIV/AIDS durchgeführt und die wichtigsten Krankheiten bekämpft. Dies alles wird mit der Bevölkerung und den Behören zusammen geplant und durchgeführt, denn nur so ist eine nachhaltige Entwicklung möglich, die auch nach der Unterstützung anhalten soll.

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ZUR PERSON

Hans Hurni, Professor für Geographie und Nachhaltige Entwicklung, präsidiert den Ausschuss des Zentrum für Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern. Von 2001-2013 war er Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunktes NFS Nord-Süd. Er ist Experte für nachhaltige Entwicklung in Drittweltländern, mit Spezialgebiet Äthiopien. Seit 1996 ist er Stiftungsratsdelegierter der Stiftung Menschen für Menschen Schweiz.

 

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Stiftung Menschen für Menschen Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe, 8002 Zürich

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