Jung, talentiert und zielstrebig


Selbstbewusst erzählt Ephrem Nigatu von seiner Idee. Er wolle eine ganz neue Waschmaschine entwickeln, erklärt der 25-Jährige. Eine leicht zu reparierende Maschine, robust gegen Staub, Hitze und Stromausfälle während des Betriebs, auch soll sie mit wenig Wasser auskommen. Kurzum: eine Waschmaschine für das ländliche Äthiopien.

Ephrem Nigatu steht im dritten Jahr seiner Ausbildung am Agro Technical and Technology College (ATTC) von Menschen für Menschen in der Stadt Harar. Bis Ende 2009 haben insgesamt 869 junge Frauen und Männer eine Ausbildung zum Metallfacharbeiter, Kraftfahrzeug- oder Elektrotechniker absolviert.

"Äthiopien wird sich nur entwickeln, wenn die Menschen Alternativen zur Landwirtschaft erhalten", erklärt Karlheinz Böhm. Doch der staatlichen Ausbildung fehlt es vielerorts an Lehrpersonal, Fachliteratur und Übungswerkstätten. Weil Maschinen und Material knapp und teuer sind, wird die Ausbildung häufig sehr theorielastig. Im ATTC dagegen orientieren sich die Ausbildungspläne an jenen in Deutschland. Die Praxis bestimmt zwei Drittel der Ausbildung.

Monatelang stand Ephrem im ersten Lehrjahr zum Metallfacharbeiter an der Werkbank, um Übungsstücke auf Hundertstelmillimeter genau zu feilen. Im zweiten Lehrjahr arbeitete er an modernen Drehbänken, Schleifmaschinen und Hobeln mit deutschsprachigen Aufschriften – meist Firmenspenden.

Glänzende Aussichten

Um einen künftigen Arbeitsplatz braucht sich Ephrem keine Sorgen zu machen: Die Einrichtung der Äthiopienhilfe hat einen überaus guten Ruf. Staatliche und private Unternehmen wie Elektrizitätswerke, Speiseöl-Fabriken und Brauereien bieten den Absolventen oft schon am Tag der Diplomvergabe Arbeitsverträge an. Am liebsten will Ephrem sich selbstständig machen. Deswegen wolle er den Gürtel noch einige Jahre eng schnallen, in einem Unternehmen arbeiten und sein Gehalt zur Seite legen, um es dann in eine eigene Firma zu investieren und seinen Traum vom Erfinden und Entwickeln zu verwirklichen. Aber braucht Äthiopien zuallererst eine Waschmaschine?

Die Frage beantwortet der kluge junge Mann mit einer Gegenfrage: "Sind Wasch-maschinen in Europa Luxus? Nein? Dann sind sie es auch nicht in Äthiopien." Es gehe ihm darum, dass die Frauen nicht mehr mit gebeugtem Rücken an schmutzigen Rinnsalen im Freien stehen müssen, um sich beim Wäschewaschen von Hand die Fingerknöchel blutig zu schrubben. "Ich will der Beste sein", sagt Ephrem, "aber dabei geht es mir nicht nur um mich, sondern um mein Land."

Diese Aussage hört man immer wieder, wenn man mit jungen engagierten Leuten in Äthiopien spricht: Ihre Motivation sei, die Familie und die Gesellschaft voranzubringen. "Ihr Europäer könnt an euch selbst denken, weil eure Großväter mit ihrer Arbeit den Wohlstand für ihre Nachkommen gelegt haben", erklärt Ephrem. "Meine Enkel werden auch einmal so frei sein wie ihr. Aber meine Generation muss sich noch vor allem für das Gemeinwohl einsetzen." Mit dieser Erklärung ist der unbedingte Fleiß besser zu verstehen, mit der die jungen Leute im ATTC ihre Ausbildung meistern: Wer erfolgreich abschließt, der erreicht für seine Familie eine bessere Lebensperspektive.

Wie auch ihre fünf Zimmer-genossinnen gönnt sich Tsion Gebrehauariat jeden Tag nur zwei Stunden Freizeit, die sie nach Unterricht und Abendessen mit Plaudern, Volleyball und viermaligem Kirchgang pro Woche verbringt. Aber ab 20
Uhr versenkt sich die 24-jährige Elektrotechnik-Auszubildende wieder in Hefte und Bücher und lernt bis Mitternacht, um sich auf den nächsten Tag in der Lehrwerkstatt vorzubereiten.

Jobs an Universitäten

Die 32 Elektrotechnik-Azubis im dritten Lehrjahr lernen, wie man mit Computern Maschinen steuern kann. Jeder Auszubildende hat Zugang zu einem modernen Rechner mit Flachbildschirm und Automationstechnik-Modulen – an anderen Institutionen im Land können die Studenten von solchen Bedingungen nur träumen. Tsion ist eine der besten ihres Jahrgangs, in vier Monaten bekommt sie ihr Diplom. "Ich bin bereit, jeden Job anzunehmen", sagt sie. "Aber am liebsten möchte ich Lehrerin werden." Keine unwahrscheinliche Perspektive: Jeder dritte Absolvent des letztjährigen Elektrotechnik-Jahrgangs wurde Junior-Dozent an einer staatlichen Ausbildungsstätte, darunter auch technische Universitäten – ein Indiz für die besondere Qualität der Ausbildung am ATTC.

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