Saat der Hoffnung


Im Dessa-Tiefland in der Provinz Illubabor erhebt sich ein imposanter Bergkegel, der dem Zuckerhut in Rio de Janeiro ähnelt. Der Berg heisst Kollo Siri, und so nennen die Siedler auch ihr neues Dorf. Voller Hoffnung folgten 6'000 Siedler dem Aufruf der Regierung. Sie verliessen ihre überbevölkerten Ortschaften und ihre ausgelaugten Felder in der Region Arsi, um rund um Kollo Siri das Land nutzbar zu machen. Doch nach ihrer Ankunft kamen sie in furchtbare neue Not. Während die Bauern in höher gelegenen Regionen unter zu wenig Niederschlägen leiden, sammelt sich im Tal von Kollo Siri im undurchlässigen Untergrund auch bei geringen Regenmengen zu viel Nässe an: Die tonigen Böden der meisten Parzellen sind während der Säzeit zu nass für die meisten Getreidearten.

Schlechte Ausgangssituation

Auch der 37-jährige Nuur Achmed hatte keinen Erfolg. Er baute Weizen an, Sesam, Gerste, Hirse – nichts wollte gedeihen. Nuur Achmed verkaufte Vieh, um Getreide zu kaufen, damit seine fünf Kinder nicht hungerten. Manche Kinder anderer Familien liefen nackt herum, weil die Eltern kein Geld für Kleidung hatten. Die meisten Familien schliefen ohne Decke auf dem nackten Boden. Als die Siedler in Lehmhütten provisorische Schulen einrichteten, brachen 70 Prozent der Schüler den Besuch im ersten Jahr wieder ab, weil sie aufgrund des Nahrungsmangels zu schwach waren. Abhilfe war nicht in Sicht, im Gegenteil: Neben dem Problem mit dem nassen Boden gab es viel zu wenige und zu schwache Ochsen, um die Scholle tiefgründig aufzureissen – dreimal muss man pflügen, um säen zu können.


Die Siedler wandten sich an Menschen für Menschen. Als Soforthilfe sandte die Organisation bessere Werkzeuge, um den Boden zu bestellen. Hergestellt werden diese von Schmieden, die in Trainingskursen von Menschen für Menschen ausgebildet worden sind. Eine Schule, eine Veterinär- und eine Gesundheitsstation wurden gebaut. Vor allem aber wurde eine aussergewöhnliche Idee umgesetzt: „"Vielleicht lässt sich auf den nassen Böden Reis anbauen!?"

Experimentieren für eine neue Pflanze

Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Jimma wurden in Experimenten besonders Erfolg versprechende Sorten Trockenreis bestimmt. Dann wurden das Saatgut verteilt und die Bauern zu Kursen eingeladen. "Tagelang lernten wir", erinnert sich Nuur: "wie wir diese neue Pflanze säen, wie oft wir jäten und wann und wie wir ernten können." Anfang Juni 2007 begann Nuur, sein Feld zu pflügen. Mitte Juni säte er den Reis aus. "Einen Monat lang war ich gespannt und auch ein bisschen skeptisch", sagt Nuur: "So lange war überhaupt nichts zu sehen.“ Aber dann zeigten sich die Reispflänzchen plötzlich. "Nun begann eine arbeitsreiche Zeit." Ständig musste Unkraut gejätet werden. Dann entdeckten die Vögel die neue Pflanze. "Sie lieben die Blüten und die noch weichen Körner", erzählt Nuur. Morgens war er mit der Steinschleuder auf seinem Feld, um die Vögel zu vertreiben. Nachmittags, nach der Schule, lösten ihn die Kinder ab. Mitte Oktober 2007 ernteten Nuur und die anderen Bauern den Reis mit Sicheln und droschen ihn mit im Kreis gehenden Ochsen.

Alle Mühe hatte sich gelohnt: Nuur füllte Sack um Sack. Nun steht Nuur vor seinem Reisspeicher, den er aus Zweigen geflochten und auf Pfählen errichtet hat, und lässt die Körner durch seine Finger rieseln: Die reichliche Menge von zwei Tonnen Reis hat er gleich in der ersten Saison geerntet. Seine Frau Bedria hat aus zerriebenen Körnern bereits einen flüssigen Teig hergestellt und daraus über dem offenen Hüttenfeuer gesäuertes Fladenbrot gebacken. "Es schmeckt ausgezeichnet", freut sich Nuur.

Nur ein Viertel der Ernte wird seine Familie verbrauchen, den Rest kann Nuur verkaufen. Zwar ist die Nachfrage in der Umgebung gering, weil die Menschen Reis noch nicht kennen. Aber Menschen für Menschen will eine Mühle ankaufen, die feines Reismehl liefert, und den Kontakt zu überregionalen Händlern herstellen. So wird Nuur einen guten Profit machen. Sein Traum ist es, damit zum Kleinunternehmer aufzusteigen: Entweder will er eine dieselbetriebene Getreidemühle kaufen oder gar ein altes Auto, so dass er Handelsware transportieren kann. Allein wird er es nicht schaffen. Aber vielleicht, wenn er sich mit zwei oder drei anderen tüchtigen Bauern zusammen tut. "Es gibt bei uns ein Sprichwort", sagt Nuur nachdenklich: "Für einen einzelnen Menschen können andere Menschen wie Medizin sein."


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