Quell der Freude


Betula Hussein und ihren vier Kindern erging es wie vielen Familien in Äthiopien: Es mangelte ihnen an sauberem Trinkwasser. Die einzige Wasserstelle lag weit entfernt. Über zwei Stunden war die 30-Jährige unterwegs, bis sie den 25-Liter-Kanister durch hügeliges Gelände nach Hause transportiert hatte. Dreimal täglich legten Betula oder ihre 12-jährige Tochter Muslima die Strecke zurück. Doch damit konnten sie den Bedarf eines Tages für Trinken, Kochen und Waschen kaum decken. Gerade für Muslima war der Fußmarsch sehr beschwerlich. Der Kanister auf ihrem Rücken wog fast so viel wie sie selbst.

LEBENSBEDROHLICHE KRANKHEITEN

Betula kochte das Wasser nicht ab, sie ließ es lediglich durch Tücher laufen, um den gröbsten Schmutz zu filtern. Das Wasser, das sie und ihre Tochter aus der Wasserstelle schöpften, war schlammig und voller Bakterien. Vieh und andere Tiere tranken dort und hinterließen ihre Fäkalien. "Wir hatten ständig Durchfall und Parasiten plagten uns", erzählt Betula. Vor allem für Kinder können Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich sein. Auch der Weg zur nächsten Gesundheitsstation war beschwerlich. Mehrmals im Monat musste Betula mit einem ihrer Kinder zum Arzt. Die täglichen Märsche zur Wasserstelle nahmen viel Zeit in Anspruch: Vor allem Muslima blieb wenig Zeit für den Schulbesuch, zum Spielen oder Lernen.

HOFFNUNG FÜR EIN GANZES DORF

"Als die Äthiopienhilfe in einem anderen Dorf einen Brunnen baute, sahen wir, welche Möglichkeiten sich für die Menschen dort eröffneten", erzählt Betula. "So hofften auch wir, zukünftig Wasser aus einer sicheren und gut zugänglichen Quelle schöpfen zu können und vor allem, dass unsere Kinder nicht mehr krank werden würden." Menschen für Menschen baute auch im Dorf Melka Dima einen Brunnen – den 2.000sten seit es die Äthiopienhilfe gibt. Betula und ihre Familie können sich nun aus der nahegelegenen Wasserstelle versorgen. Nur noch knapp 15 Minuten brauchen sie und Muslima dorthin. "Jetzt haben wir nicht nur ausreichend sauberes Wasser zum Trinken, sondern können auch uns selbst und unsere Kleider waschen. Unsere tägliche Hygiene wird sich dadurch deutlich verbessern", erzählt die Mutter von drei Söhnen und einer Tochter.

EIN GESÜNDERES LEBEN

Muslima wird wieder regelmäßig den Unterricht besuchen können und ihre Schulausbildung zu Ende bringen. Betula und ihr Ehemann wollen sich verstärkt dem Anbau auf ihrem Feld widmen und ihre Ernte am Markt verkaufen. "Wir hoffen, dass wir nun nicht mehr so oft zum Arzt müssen und unser geringes Einkommen für Medikamente ausgeben", erzählt Betula. "Dank des sauberen Wassers werden unsere Kinder jetzt hoffentlich nicht mehr so oft krank."

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